Merfeld. Ein aktuelleres Thema hätte sich der CDU-Ortsverband Merfeld für einen Vortrag auf ihrer Jahreshauptversammlung kaum aussuchen können. Unter der Überschrift "Ortsentwicklung - Chancen und Probleme" referierten Leonore Wolters-Krebs und Christoph Steinhoff vom Städteplanungsbüro Wolters Partner in Coesfeld.
"Wir reden über die wesentlichen Elemente, die bei einer Ortsentwicklung eine Rolle spielen", machte zu Beginn des Vortrages, der mit einer Power-Point-Präsentation, die Bilder von Merfeld zeigt, optisch untermalt wurde. Jedes Projekt sei individuell zu betrachten, von daher könne man in erster Linie nur auf allgemeine Punkte der Ortsentwickelung eingehen.
Zunächst stellte Wolters-Krebs die Ziele heraus, die bei möglichen Veränderungen im Mittelpunkt stehen müssten. Wichtig sei es etwa, dass sich die Bewohner mit ihrem Dorf identifizieren. Gestalterische, funktionale und ökologische Aspekte seien tragenden Säulen jeglicher Pläne. Zunächst müsse aber eine Bestandsanalyse im Ort durchgeführt werden.
"Es muss ein Alleinstellungsmerkmal gefunden werden. Was ist an diesem Ort, was sonst nirgendswo ist"", fragte Wolters-Krebs. Für Merfeld könnten dies etwa die weit über die Ortsgrenzen bekannten Wildpferde sein. Christoph Steinhoff erläuterte, dass historische Wurzeln oftmals eine gute Grundlage bei einer Analyse seien. Auch auf die allgemeine demographische Entwicklung müsse Rücksicht genommen werden. "In kleineren Ortsteilen ist angesichts der heutigen Entwicklung die Existenz einer eigenen Schule und eines Kindergartens nicht mehr sicher", betonte Steinhoff. "Es ist aber das größte Problem, die Versorgung der Einwohner zu sichern". Verkaufwagen und "fliegende Händler", wie etwa der Fleischereiwagen, der nach der Schließung der Fleischerei Lepper im vergangenen Jahr jeden Samstag nach Merfeld komme, seien mögliche Auswege. Zudem sei eine gute verkehrstechnische Anbindung an größere Städte erforderlich.
Leonore Wolters-Krebs betonte weiterhin, dass es unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll sei, ältere Baumbestände zu erhalten und diese etwa in Neubaugebiete zu integrieren, wie es in Merfeld schon geschehen sei. Generell betonte sie: "Ortsteilentwicklung besteht aus zahlreichen Bausteinen, kleinen wie größeren Aktivitäten, die auch von Bürgern in Angriff genommen werden müssen."
In der sich anschließenden, regen Diskussion machte Wolters-Krebs die schwierige Situation des Einzelhandels in kleinen Dörfern klar. "Privater Einzelhandel kann sich nur dann halten, wenn er Nischen entdeckt und ausfüllt. Aber dies ist sehr schwer." Auch auf die große Grünfläche im Herzen des Dorfes kam die Rede. Hier regte Wolters-Krebs eine andere Gestaltung an. Steinhoff sah das Dilemma, dass diese zwar "an sich sehr groß" sei, zum Spazierengehen jedoch nicht einlade. Von einer Bebauung der Fläche riet Leonore Wolters-Krebs ab. "Es ist sehr gefährlich, eine Grünfläche inmitten eines Ortes zu bebauen", sagte sie. Auf die Frage, welche Chancen durch Tourismus sie sehe, riet die Städteplanerin, das Produkt Wildpferde mehr zu vermarkten. "Man darf die Pferde nicht nur an einem Tag im Jahr verbraten. Sehen Sie sich mal an, wie das im Moment mit Mozart gemacht wird".
Quelle: Dülmener Zeitung (Dülmen)