"Stachel im Fleisch der CDU"

Dülmen. "Tun Sie alles, um in letzter Minute das zu verhindern, was wir nicht brauchen. Eine industrielle Verbrennung von Toten im Gewerbegebiet Dernekamp. Sollte es dennoch dazu kommen, dann ist das Krematorium ein Stachel im Fleisch der CDU Dülmen", so das Fazit von Bernd Wiesel, Vorsitzender der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft Dülmen (CDA), im Rahmen seines Berichtes bei der Generalversammlung der CDA am Dienstagabend im St.-Barbara-Haus.
Wiesel hatte an diesem Abend über die Arbeit der CDA in den vergangenen zwei Jahren berichtet und war dann auch auf den geplanten Bau des Krematoriums im Dernekamp eingegangen. Kein Thema, kein Vorhaben der Stadt Dülmen mit Billigung des Stadtrates, der verantwortlichen Parteien und insbesondere seiner eigenen Partei, der CDU Dülmen, hätten ihn so sehr bewegt und zornig gemacht wie der geplante Bau des Krematoriums.

Wiesel kritisierte scharf den Umgang der Kommunalpolitik mit dem brisanten Vorhaben. Sie habe es verpasst, sachgerecht und im Detail die Bürger zu informieren und das Vorhaben transparent zu machen. Das sei beschämend und nicht nachvollziehbar. Es sei der Eindruck vermittelt worden, die Sache möglichst geräuschlos hinter sich zu bringen. Der CDA-Vorstand habe das Vorhaben mehrheitlich abgelehnt aus folgenden Gründen: Die industrielle Verbrennung der Toten im Gewerbegebiet, die inakzeptabel sei und dem damit einhergehenden Umgang mit den Verstorbenen. "Es wird keine Trauerhalle geben, und es ist nicht eingebunden in ein Trauerzentrum". Wiesel weiter: Es bestehe überhaupt keine Notwendigkeit, im Münsterland aufgrund der vorhandenen Feuerverbrennungsanlagen im nahen Umkreis eine zusätzliche zu bauen. Es werde einen Wettbewerb geben - und das über den Preis. "Als CDU haben wir uns immer dagegen ausgesprochen aus tiefster christlicher Überzeugung und Wertvorstellung im Umgang mit den Toten."

Gleichzeitig machte Wiesel deutlich, dass sich die CDA einer Feuerbestattung nicht entgegen stelle, wenn sie gewünscht werde. Dann aber in einem würdigen Umfeld. Auch auf die möglichen Umweltbelastungen für Böden, Luft und Wasser ging der Vorsitzende ein. Die CDA fordere, die Bürger umfassend über alle Facetten zu informieren und öffentliche Diskussionsveranstaltungen durchzuführen. Die Stadtverordneten hätten mit ihrem mehrheitlichen Beschluss im Sommer dieses Jahres - wobei er wisse und anerkenne, dass einige CDU-Stadtverordnete und CDA-Mitglieder dagegen gestimmt hätten - den Weg frei gemacht, Fakten geschaffen für den Bau eines Krematoriums im Dernekamp. "Dafür tragen Sie die volle Verantwortung, sollte das Krematorium gebaut werden". Für eine rein gewerblich ausgerichtete Verbrennung von Toten, eingehend mit dem Verlust der Pietät und Totenwürde, einschließlich der zusätzlichen Umweltbelastungen. Wiesel appellierte: "Aufgrund neuer Erkenntnisse nehmen Sie den Beschluss zurück und erteilen Sie keine Baugenehmigung".

Lokalseite 2
08. November 2006 | Quelle: Dülmener Zeitung