Am 9. November 2008 jährt sich die Reichskristallnacht* zum siebzigsten Mal. Aus diesem
Anlass wird mit verschiedenen Veranstaltungen das Thema des Zusammenlebens von jüdischen und nicht jüdischen Dülmener Bürgerinnen und Bürgern durch die CDU Dülmen mit verschiedenen Veranstaltungen thematisiert.
Am Mittwoch den 04. Juni bietet der CDU Ortsverband Dülmen in Kooperation mit der Frauenunion und der Jungen Union eine Führung durch diese interessante und bedeutende Ausstellung an. Treffpunkt ist um 15.30 Uhr der Bahnhof in Dülmen. Von dort geht es dann zum Bahnhof nach Münster.
Eine Anmeldung für die Teilnahme ist nicht erforderlich. Neben den Fahrtkosten für ein Bahnticket werden für die Führung ein Beitrag von 3,00 EUR fällig.
Vom 18. Mai bis 15. Juni 2008 wird im Hauptbahnhof Münster die Wanderausstellung „Sonderzüge in den Tod – Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn“ präsentiert. Sie wird Dokumente zur Logistik der Judendeportationen durch die Deutsche Reichsbahn sowie ausgewählte biographische Texte zeigen. Diese Berliner Ausstellung wird durch lokale und regionale Aspekte des Deportationsgeschehens aus Westfalen im historischen Ort Gepäcktunnel ergänzt werden. Weitere Informationen unter: www.db.de/geschichte
* Der Begriff „Reichskristallnacht" hat sich eingebürgert, wird auch in der Fachliteratur gebraucht, ist jedoch wegen seines zynisch anmutenden Beiklangs (als Anspielung auf das zerbrochene Glas) nicht unumstritten - auch wenn der Begriff ursprünglich nicht von den Nationalsozialisten geprägt wurde.
Die Begriffe „Reichspogromnacht" und ,,Novemberpogrome" klingen zwar neutraler, verfälschen jedoch die Vorgänge. Es waren eben keine Pogrome im engeren Sinne -- spontaner Ausdruck eines Volkszorns, als was die nationalsozialistische Propaganda es darstellen wollte -, sondern vor allem von oben gelenkte und geplante Aktionen.
Die ,,Reichskristallnacht" gilt als Wendepunkt der nationalsozialistischen Politik gegenüber Juden von der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Ausgrenzung hin zur gezielten Verfolgung.
9./10.11.1938 in Dülmen:
Am 9. November 1938 lebten in der Stadt Dülmen 39 Juden.
Die Vorgänge hier unterscheiden sich nicht von jenen in anderen deutschen Städten:
Zerstörung der Synagoge durch Brand (der Feuerwehr wurde das Löschen wie anderswo untersagt), Beschädigung von Geschäften und Wohnungen, Misshandlungen und Verhaftungen (incl. Suizid eines Verhafteten).
Initiator und Antreiber war hier der NSDAP-Kreisleiter.
Am Abend des 9. November 1938 fand im Saal des Bürgerhauses in der Münsterstraße eine nationalsozialistische Feier statt.
Um Mitternacht begannen die Aktionen: Der Feuerwehr wurde der Brand der Synagoge gemeldet, am Brandort untersagte der Bürgermeister jedoch die Löscharbei-ten.
Nur die umliegenden Häuser durften geschützt werden. Häuser und Geschäfte von Juden wurden beschädigt, einzelne Juden körperlich misshandelt.
Nahezu alle männlichen Juden wurden später auf den Markt getrieben, verhaftet und im Polizeigefängnis in der Nähe des Amtsgerichts für zwei bis drei Wochen inhaftiert.
Deren Frauen und Kinder mussten die Aufräumarbeiten übernehmen.
Eine weitere Folge des Geschehens war die Emigration Dülmener Juden: In den folgenden Monaten verließen 22 von ihnen Deutschland, 1940 weitere sechs. Zehn blieben in Dülmen und wurden Ende 1941 deportiert und später ermordet.