Das Lachen nicht vergessen

Jürgen Rüttgers sprach in seiner Rede eine Vielzahl von Themen an

Lässig steht er am Rednerpult, eine Hand in der Hosentasche. Er lächelt, wirkt entspannt. Die Sätze, die Dr. Jürgen Rüttgers formuliert, sind präzise und verständlich. Der Ministerpräsident liest nicht ab, sondern redet frei. Er dankt Christian Schlichting, Geschäftsführer der Alexianer-Werkstätten GmbH, die das Barbara-Haus betreiben. Die Alexianer, das sei eine wunderbare Einrichtung aus Westfalen, sagt der Gast aus dem Rheinland.
Mit stehenden Ovationen wurde Ministerpräsident Jürgen Rüttgers im St.-Barbara-Haus von seinen Zuhörern empfangen.Mit stehenden Ovationen wurde Ministerpräsident Jürgen Rüttgers im St.-Barbara-Haus von seinen Zuhörern empfangen.
Er erinnert sich an Dülmens ehemaligen Stadtdirektor Dr. Hans Lemmen. Der sitzt im Publikum, wie sich herausstellt, und Rüttgers grüßt ihn vom Podium aus. Kommt dann auf die Landesregierung zu sprechen, die seitdem Regierungswechsel Beachtliches geleistet habe. Dass Nordrhein-Westfalen wirtschaftlich so gut dastehe, will Rüttgers nicht sich und seiner Mannschaft an die Brust heften. Das habe etwas mit den Menschen und ihrem Engagement zu tun. "Das ist Ihr Verdienst", räumt er an die Zuhörer gewandt ein. Und fügt hinzu: "Wenn Sie eine Landesregierung haben, die das nicht verhindert - das ist doch schon was." Das Auditorium lacht.

Die Weltwirtschaftskrise, ist so wie bei den Rednern vor und nach ihm, die bei dieser Veranstaltung der Kreis-CDU vier Tage vor der Europawahl das Wort ergreifen, ein Thema. Man wolle gestärkt aus ihr hervorgehen, indem man in die Zukunft investiere, sagt Rüttgers. Seine Überlegungen führen weiter nach Europa und zur internationalen Zusammenarbeit. Die ist dem Ministerpräsidenten so wichtig, dass er die Beziehungen von Nordrhein-Westfalen zu den Benelux-Staaten vertiefen will. Europa, das sind, laut Rüttgers, nicht nur Regelungen und Verordnungen. Europa habe auch mit der Einstellung von Menschen zu tun. Dass Bildungsabschlüsse aus EU-Ländern in Deutschland erst noch geprüft werden, bevor sie hier anerkannt sind, findet Rüttgers "irgendwie vorsintflutliche", Überbleibsel früheren Denkens. Ressentiments gegen die europäischen Nachbarn zu schüren, verurteilt er. Wenn Franz Müntefering Luxemburg als Stuerparadies anprangere und am liebsten Soldaten dorthin schicken wolle, findet Rüttgers das unglaublich. Jetzt ist er nicht mehr entspannt, sondern richtig wütend, schlägt mit der Faust auf das Pult. Seine Zuhörer folgen ihm, spenden Beifall für diese eindeutige Position. Die bezieht er auch in anderen Fragen: Dem Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft, dem Appell, die Gesellschaft nicht auseinander fallen zu lassen. Neue Regeln in Europa für die Finanzmärkte in Europa - jetzt wieder ganz sachlich. Sein Vortrag beendet er mit dem Aufruf, das Lachen nicht zu vergessen und mit frischem Mut die Probleme anzugehen. Der lange Applaus der Zuhörer zeigt: Er hat die Menschen erreicht, sein Aufruf, Sonntag wählen zu gehen, wurde gehört.