Die CDU hätte sich wohl keinen besseren Tag für ihr Bildungsforum aussuchen können. Denn dass sich in der Bildungslandschaft etwas bewegen muss, das war klar an einem Tag, an dem in Münster und vielen anderen Städten Tausende Schüler und Studenten für bessere Bildung auf die Straße gingen. Klar war auch: In Dülmen bewegt sich tatsächlich etwas.
Die Rahmenbedingungen für die Bildungspolitik in Deutschland erläuterte den rund 30 Zuhörern in der Anna-Katharina-Emmerick-Schule zunächst aber Professor Dr. Bernd Zymek vom Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Uni Münster. Ob Ganztagsschule, kürzere Wege zum Abitur oder Bologna-Prozess, alles laufe auf eine "Verfrühung, Verdichtung und Verlängerung von Lernprozessen" hinaus. Auch, um im internationalen Vergleich besser bestehen zu können: "In Großbritannien ist ein Hochschulabsolvent mit 21 Jahren auf dem Arbeitsmarkt", rechnete Zymek vor.
Lernen dauert lebenslang und beginnt immer früher, so der Referent. Natürlich bereits in den ersten Klassen der Grundschule. Maria Maas, Leiterin der Marien-Grundschule Rorup, berichtete von ihren Erfahrungen mit dem jahrgangsübergreifendem Unterricht in den Jahrgangsstufen eins und zwei. Und die seien durchaus positiv, so die Schulleiterin. Bisher sei man davon ausgegangen, dass Kinder gleichen Alters auch über eine ähnliche Leistungsfähigkeit verfügen. Und habe dabei die Individualität jedes Kindes ignoriert, so die Schulleiterin. Beim jahrgangsübergreifenden Unterricht aber lernen jüngere und ältere Kinder, ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend, gemeinsam. Klassen sind nicht starr nach Alter eingeteilt. "Dabei machen sie auch die Erfahrung, anderen Kindern zu helfen und sich aber auch helfen zu lassen", so Maas. Jeder sei mal jüngeres und mal älteres Kind.
Bernd Vogt, Leiter des Clemens-Brentano-Gymnasiums, hielt danach ein flammendes Plädoyer für den gebundenen Ganztagsunterricht, der im Schuljahr 2010/2011 am CBG eingerichtet werden soll. "G8 ist nur als Ganztagsschule zu realisieren", sagte der Schulleiter. Gleichzeitig bringe die eine Reihe von Vorteilen mit sich: Mehr Zeit für Unterricht, vor allem in den Hauptfächern, mehr Ruhe im Unterrichtsalltag, wenn durch die Doppelstunden die Zahl der Fächer auf vier pro Tag reduziert werden, und keine klassischen Hausaufgaben mehr, zählte Vogt auf.