Diesmal war es kein triumphaler Einzug in die Gaststätte „Am Kamin“ in Welte, wo der CDU-Landtagsabgeordnete Werner Jostmeier traditionell seinen Wiedereinzug in den Landtag feiert. Mit Freunden und Nachbarn.
Bescheiden tritt er auf, dankbar, dass es gereicht hat. „Wir haben diese Wahl eindeutig verloren, und dieses Ergebnis hätte ich nicht erwartet, auch nicht nach den aktuellen Prognosen vom Freitag“, beschönigt Jostmeier nichts. Dafür mögen sie ihn hier, und spenden Beifall. Denn er hat ja in seinem Wahlkreis ein deutlich besseres Ergebnis erzielen können als die Union im Land, mit 37,8 Prozent für die CDU und mit 46,1 Prozent bei den Erststimmen.
Werner Jostmeier, alter und neuer direkt gewählter LandtagsabgeordneterEin beachtlicher Erfolg, für den er allen Wahlkampfhelfern, Freunden und den Wählern seinen Dank ausspricht. Und trotzdem hat auch er ganz persönlich 5,5 Prozent der Wähler verloren. Deswegen schlägt Jostmeier vor, an diesem Abend nicht mehr viel über Politik zu sprechen. Und muss es natürlich doch tun.
„Ein gutes Ergebnis unter diesen Umständen. Gegen den Landestrend kannst Du Dich nicht vollständig stemmen“, spricht der Bundestagsabgeordnete Karl Schiewerling aus, was viele in der Gaststätte denken. Der gebürtige Essener Schiewerling warnt seine Parteifreunde davor, in Resignation zu verfallen: „Ich habe erlebt, mit welcher Brutalität die SPD in Essen über Jahrzehnte regiert hat“, mahnt er. „Und ich möchte nicht, dass unsere Kinder unter einer solchen sozialdemokratischen Herrschaft aufwachsen müssen.“
Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Markus Brambrink berichtet von einem äußerst ungewöhnlichen Wahlkampf: „Die Menschen an unseren Info-Ständen haben sich gar nicht für die Themen interessiert. Wenn, dann ausschließlich für kommunale, aber nicht für die Landesthemen.“ Wie die meisten im Saal, und es sind gut 90 Freunde des Landtagsabgeordneten gekommen, treibt Brambrink eine Sorge um: „Ich fürchte, dass die finanzielle Umverteilung in die Ballungszentren zu unseren Lasten nun weitergeht.“
Auch für Dr. Josef Gochermann war diese Landtagswahl eine Wahl für die übermächtige Landesmutter: „Die Menschen wollten eine stabile Mehrheit und sie wollten ganz offensichtlich nicht Norbert Röttgen.“ Dass man eine Wahl „ganz ohne Themen und ohne jede Aussage gewinnen kann“, erschreckt ihn nachhaltig.
Er unterstreicht einen Punkt, bei dem sich an den Tischen alle einig sind: „Diese Wahl sagt nichts über das kommunalpolitische Kräfteverhältnis aus.“