Shop-in-Shop als Lösung

Merfeld. Die Gesellschaft ist flexibler geworden, schätzte ein Merfelder die Situation ein. Grundschulleiter Martin Flügel weiß, dass "die Leute dahin fahren", wo die Produkte günstiger seien. Und das ist auf der anderen Seite genau das Problem. Der Tante-Emma-Laden an der Ecke schreibt, wenn es ihn noch gibt, rote Zahlen. "Die kleinen Gemeinden hungern sich selbst aus", hatte der Moderator des KAB-Abends in Merfeld zur "Kommunalpolitik vor Ort" festgestellt.
Natürlich war die Einzelhandelssituation das zentrale Thema, nachdem das Dorf durch die Schließungen von zwei Lebensmittelgeschäften und einer Fleischerei in den vergangenen Jahren mit der Bäckerei Püttmann und der Tankstelle Hölker nur noch zwei Anlaufstellen hat, an denen die Merfelder Lebensmittel kaufen können. "Wir haben zahlreiche Gespräche mit Lebensmittelhändlern, auch mit Ketten, geführt. Aber mit der Kaufkraft von 2060 Einwohnern kriegen wir bislang keine Lösung hin", sagte Helmut Kreuznacht. Der CDU-Stadtverordnete für Merfeld stellte sich mit Ortsvorsteher Josef Kock während des kommunalpolitischen Abends der KAB den Fragen vieler Merfelder.

Eine Anfrage von Schlecker habe vorgelegen - laut Kock ließe sich nach ersten Zusagen kein Ladenlokal finden. Ein Händler habe Interesse bekundet - aufgrund der Kosten aber zurückgezogen. Kreuznacht rechnete vor, dass sich ein Supermarkt in Merfeld erst bei einem wöchentlichen Umsatz von 58.000 Euro rechne. Das bedeute, dass jeder der 860 Merfelder Haushalte dort 68 Euro in der Woche lassen müsse. "Und das bekommen wir so nicht hin", sagte er.

Die Sortimente bei Bäcker Püttmann und an der Tankstelle Hölker seien teils erweitert worden. Und während die Merfelder bedauerten, dass die fliegenden Händler (Kreuznacht: "Gute Alternative") nicht mehr so wie früher kämen, bietet ein mobiler Metzger samstags an der Kirchstraße Fleischwaren an. "Das ist gerade für die Älteren wichtig. Bis zu bis 80 Kunden hat er jedesmal", berichtete Kreuznacht.

Einige Merfelder wünschten sich "mehr Engagement" seitens der Stadt, Einzelhändler ins Dorf zu locken. Kock: "Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen. Sie kann jedoch nicht einen Laden bauen." Kreuznacht stellt sich eine Shop-in-Shop-Lösung an zentraler Stelle vor. Er denkt an kleinere Läden wie Bäcker, Friseur, Schreibwaren oder Post unter einem Dach. "Ohne einen Investor und ein geeignetes Grundstück", so jedoch der berechtigte Einwurf eines Merfelders, "werden wir das nicht hinkriegen". Kreuznacht sagte zu, dass die CDU das Thema gemeinsam mit den Merfeldern weiter verfolge.

Donnerstag, 27. April 2006 | Quelle: Dülmener Zeitung (Dülmen)