Was trägt der Schotte unter dem Rock?
Zu einem abendlichen Treffen mit hochrangigen Politikern hatten der CDU Stadtverband Dülmen und der Ortsverband Hiddingsel am Donnerstag, den 4. Mai 2017 auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Große Volksbeck-Diekmann eingeladen. Rund 200 Zuhörer trafen sich zu einem interessanten, lehrreichen aber auch unterhaltsamen Podiumsgespräch.
Die Redner des Abends (v. l.): Bundestagskandidat Marc Henrichmann, Landtagskandidat Dietmar Panske, David McAllister MdEP, Gastgeber Dr. Bernd Diekmann, WLV-Präsident Johannes Röring MdB, Werner Jostmeier MdL und WLV-Kreisvorsitzender Michael Uckelmann.Neben David McAllister, Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten im EU-Parlament und Johannes Röring, Präsident des westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), fanden sich Dietmar Panske, Werner Jostmeier und Marc Henrichmann sowie Michael Uckelmann, Kreisvorsitzender des WLV, in Hiddingsel ein, um über Entwicklungen auf nationaler und europäischer Ebene sowie agrarpolitische Aspekte zu sprechen.
Unter der Moderation des Gastgebers, Dr. Bernd Diekmann, fokussierten Panske, Jostmeier und Henrichmann auf die Themen des bevorstehenden Wahlkampfes und appellierten an die Zuhörer, die eigene Urteilskraft nicht den populistischen Argumenten von Illusionären und Demagogen unterzuordnen. Mit Blick auf seine Berufskollegen sprach Uckelmann sich dafür aus, dass bei der Entwicklung neuer Rahmenbedingungen die Anforderungen an die moderne Landwirtschaft nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Obgleich dem Berufsstand des Landwirtes laut einer aktuellen Emnid Studie von der Gesellschaft eine hohe zukünftige Bedeutung zugesprochen wird, sieht Röring politischen Verbesserungsbedarf im Umgang mit der Berufsgruppe. Das landwirtschaftlich geprägte Münsterland werde häufig von der Landesregierung vernachlässigt und nicht treffend dargestellt. „Wir sind das neue High-Tech“, beschreibt Röring die Entwicklungen in der Agrarbranche. Im Kontext eines sich verändernden Europas betont er, dass nationale Alleingänge letztlich in Sackgassen führen.
David McAllister, Hauptredner des Abends, knüpft an diese Aspekte an und macht mit Blick auf die Agrarpolitik deutlich, dass es die oberste Aufgabe der zuständigen Minister sei, die Interessen der Branche vor die der eigenen Fraktion zu stellen. Sorgen bereitet ihm auch der gesellschaftliche Umgang mit Landwirten, wie das Mobbing von Bauernkindern in Schulen. Er erwarte „einen respektvollen Umgang mit Menschen, auch wenn diese eine andere agrarpolitische Auffassung vertreten“. Den Austritt Großbritanniens aus der EU bewertet McAllister, der sich gleichermaßen als Deutscher, Schotte und Europäer sieht, als „großen historischen Fehler mit gigantischen Ausmaßen“. Insbesondere für die jungen Menschen befürchtet er Nachteile. Auf die Frage, ob Schottland sich für den Verbleib in der EU einsetzen wird, antwortete er diplomatisch, dies sei ebenso schwer zu beantworten, wie die Frage, was ein Schotte unter dem Kilt trage. Kritisch sieht er eine mögliche EU-Außengrenze vor allem für den erst kürzlich überwundenen Konflikt in Nordirland. Sein leidenschaftlich vorgetragener Ausspruch für eine europäische Einheit wurde von den Zuhörern mit Standing Ovations belohnt.
Im Anschluss fanden sich Redner und Zuhörer bei frischen Spiegeleiern vom Hof Groß Volksbeck-Diekmann für weitere Diskussionen zusammen. Zum Abschluss erklang – passend zum europäischen Tenor des Abends – der Marsch Highland Cathedral: die innoffizielle schottische Nationalhymne, die von einem Deutschen komponiert wurde.